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Zufrieden ist niemand, überrascht aber auch nicht

23.03.2021 · von Oliver de Neidels

Am 16.03.21 hat der ADFC die Ergebnisse seiner alle zwei Jahre stattfindenden Umfrage zum Radfahren in Deutschland veröffentlicht. Alle Radfahrenden waren aufgerufen teilzunehmen und konnten ihre Kommune in 27 Kategorien nach dem Schulnotensystem bewerten. Hier sind die Ergebnisse für Jever und Schortens.

Fahrradklimatest 2020 Jever
Positive Grundhaltung, miserable Wege: Im Fahrradklimatest schneidet Jever nicht gut ab. Bild: Oliver de Neidels

Jever und Schortens waren in diesem Jahr erstmals dabei, die Ergebnisse sind aber eher ernüchternd. „Die Bewertung für Jever ist eigentlich zu freundlich ausgefallen“, kommentiert der Radfahrbeauftragte der Stadt, Ingo Borgmann, die durchwachsenen Noten. Jever landete zwar im Mittelfeld auf Platz 108 von 418 bewerteten Kommunen mit einer Größe von bis zu 20000 Einwohnern. Die Durchschnittsnote von 3,6 ist aber kein Grund zum Jubeln. Gut bewertet wurde einzig, dass das Radfahren in allen Altersgruppen verbreitet ist (Note 2,3), die Erreichbarkeit des Stadtzentrums (2,3) und die Wegweisung (2,4). Schlechte Noten gaben die Jeveraner Radler ihren Radwegen: In den Kategorien Breite (4,7) und Oberfläche (4,6) gehört Jever zu den 60 schlechtesten der teilnehmenden Kommunen. Bewertet wurden hier wohl vor allen die Gehwege, denn eigenständige Radwege gibt es in der Stadt bekanntlich fast nicht.

Wegen der grundsätzlich positiven Stimmung für das Radfahren sieht Borgmann aber gute Chancen für die Zukunft. „In Jever fahren alle gerne mit dem Rad, haben aber paradoxerweise keinen Spaß dabei. Wenn der Radfahrplan konsequent umgesetzt wird, dann haben wir gute Chancen unter die Top-Städte zu kommen.“

Fahrradklimatest 2020 Schortens
Nichts schönzureden: Schortens ist kein Paradies für Radfahrende Bild: Oliver de Neidels

Deutlich schlimmer sieht das Ergebnis für Schortens aus. Mit der Durchschnittsnote von 4,04 landet die Stadt auf Platz 270 von 415 Teilnehmern in der Gruppe der Städte zwischen 20000 und 50000 Einwohnern. Gut bewertet wurde hier nur, dass das Radfahren in allen Altersgruppen verbreitet ist (Note 2,4) und die Wegweisung (2,4). Von einzelnen kleinen Ausreißern abgesehen wurden die restlichen Kategorien zwischen 4,4 und 5,0 bewertet. Auch die wichtigen Kategorien Breite (5,0) und Oberfläche (4,7) fielen durch. Wie Jever hat auch Schortens fast keine Radwege, sondern nur Gehwege, was sicher seinen Teil zur schlechten Bewertung beigetragen hat.

Die Probleme sind aber bekannt und ein Umdenken ist in Sicht: Ein Radfahrplan soll erstellt werden und der Stellenwert des Radverkehrs insgesamt soll erhöht werden. „Dies ist auch dringend nötig“, sagt der Schortenser Bernhard Zimmering, Kreisvorsitzender des ADFC: „Die Ergebnisse zeigen: Radfahrer wünschen sich eigene Wege getrennt von Autos und Fußgängern.“ Auch dürften Radfahrer keine Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse mehr sein.

Dass es deutlich besser gehen kann, zeigt ein Beispiel aus der Nachbarschaft: Westerstede ist ebenfalls erstmalig bewertet worden und hat und wurde von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer als drittbeste Kommune geehrt.

Dieser Artikel ist am 23.03.2021 im Jeverschen Wochenblatt erschienen: Link zum Artikel auf Lokal26


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Über den Autor

Mein Name ist Oliver de Neidels, ich bin 1979 geboren und wohne seitdem in Jever. Ich fahre gerne Fahrrad und versuche in meinem Alltag so weit es geht auf mein Auto zu verzichten. Das geht in unserer ländlichen Region natürlich nicht immer. Fußballplätze auf Dörfern sind sonntags morgens um 9 Uhr nicht mit dem ÖPNV zu erreichen. Aber innerhalb der Stadt bekommt das Rad fast immer den Vorzug.

Ich bin verheiratet und habe drei Kinder, die hier zur Schule und zum Kindergarten gehen. Ich bin selbständig und habe ein kleines Unternehmen, das Webseiten wie diese hier baut.