Auf dem Weg zur Fahrradstadt

Kreuzung mit eingebauten Unfällen

13.03.2021 · von Oliver de Neidels

An der Ecke Wittmunder Straße/Ziegelhofstraße in Jever sind die Unfälle baulich bedingt. Wenn hier schwere Unfälle in Zukunft vermieden werden wollen, muss der Knotenpunkt umgebaut werden.

Einmündung Ziegelhofstraße in die Wittmunder Straße
Eine der gefährlichsten Ecken in der Stadt: Fahrräder landen hier gerne mal auf der Motorhaube. Der schmale Gehweg ist in beide Richtungen für den Radverkehr freigegeben. Das Stop-Schild und die rote Radfahrerfurt helfen leider nicht: Die Autofahrer fahren direkt vor bis zur Fahrbahn. Bild: Oliver de Neidels

Die meisten Unfälle im Verkehr passieren an Einmündungen und Kreuzungen. Insbesondere Fahrradfahrer sind an Knotenpunkten besonders gefährdet. Schaut man in die Unfallstatistiken zeigen diese die Autofahrer als Hauptverursacher dieser Unfälle.

Doch es ist zu einfach, jetzt mit dem Zeigefinger auf die Autofahrer zu zeigen. Bei vielen Kreuzungen und Einmündungen sind Unfälle nämlich auch baulich bedingt: Der Knotenpunkt ist nicht fehlertolerant gestaltet und „produziert“ eine bestimmte Art von Gefahrensituation durch seine Bauart.

Um solche Gefahren zu entschärfen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Kurzfristig umsetzbar sind farbliche Markierungen auf der Fahrbahn und eine andere Beschilderung. Leider ist die Wirkung dieser Maßnahmen auch nur kurzfristig, denn schon bald tritt ein Gewöhnungseffekt ein. Beschilderte Regelungen wie Stop-Schilder oder Tempolimits helfen nur, wenn sie auch kontrolliert werden. Insbesondere Tempobeschränkungen ohne bauliche Änderungen helfen erfahrungsgemäß wenig.

Deutlich wirksamer, aber eben auch aufwändiger, sind bauliche Umgestaltungen. Hier wird für jeden Knotenpunkt die beste individuelle Lösung gesucht, wobei es schon viele gute Musterlösungen gibt, wie z.B. die Niederländische Schutzkreuzung.

In Jever ist die Kreuzung Wittmunder Straße/Ziegelhofstraße ein Beispiel für einen Knotenpunkt, der dringend umgebaut werden muss. Auf der Wittmunder Straße ist der dafür viel zu schmale Gehweg auf der Südseite in beide Richtungen für den Radverkehr freigegeben. Für Autos aus der Ziegelhofstraße sind die Radfahrer aus Richtung Innenstadt dabei erst zu sehen, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Es gibt zwar ein Stop-Schild und eine rotgefärbte Querungsfurt, die aber beide mittlerweile ignoriert werden. Mit Folgen: In den letzen Jahren gab es dort schon häufig Unfälle, Beinaheunfälle gibt es mehrfach täglich. Der letzte schwere Unfall war Ende Januar. Nur mit Glück hat es bisher keinen Todesfall gegeben.

Auch die Fußgängerampel trägt ihren Teil zur Situation bei: Zeigt sie rot, nutzen dies die Autos aus der Ziegelhofstraße und biegen schnell nach links ab. Durch die aufkommende Hektik und das Gefühl, dass der Querverkehr vor der roten Ampel stehen muss, werden die Radfahrer völlig vergessen. Für sie gilt die Ampel nicht. Und wer aus der Jahnstraße kommend die Ampel nutzt und anschließend weiter in die Ziegelhofstraße möchte, muss damit rechnen „übersehen“ zu werden.

An dieser Einmündung führt also kein Weg an einer baulichen Umgestaltung vorbei. Ideal wäre etwa ein Kreisverkehr, der auch zur dringend nötigen Temporeduzierung beitragen würde. Die Wittmunder Straße macht auf ihrem Verlauf Richtung Innenstadt nicht den Eindruck einer innerörtlichen Straße und lädt zum Schnellfahren ein.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Gehweg mit dem Radverkehr in Richtung der Einmündung zu verlagern und auf einer Aufpflasterung zu führen. Dazu könnten auch die Linksabbiegerstreifen auf der Wittmunder Straße zurückgebaut und die Fahrbahn verschwenkt werden. Dadurch ist der Radverkehr im Kreuzungsbereich früher sichtbar und das Kraftfahrzeug-Tempo wird verringert. Wer es ganz konservativ mag, der kann sich vielleicht auch für eine komplette Ampelkreuzung begeistern.

So oder so: Um einen Umbau wird man dort nicht herum kommen, wenn Unfälle zukünftig vermieden werden sollen. Es geht jetzt eigentlich nur noch um das „wie“ und das Anzapfen von Fördertöpfen.

Dieser Artikel ist am 19.03.2021 im Jeverschen Wochenblatt erschienen: Link zum Artikel auf Lokal26


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Über den Autor

Mein Name ist Oliver de Neidels, ich bin 1979 geboren und wohne seitdem in Jever. Ich fahre gerne Fahrrad und versuche in meinem Alltag so weit es geht auf mein Auto zu verzichten. Das geht in unserer ländlichen Region natürlich nicht immer. Fußballplätze auf Dörfern sind sonntags morgens um 9 Uhr nicht mit dem ÖPNV zu erreichen. Aber innerhalb der Stadt bekommt das Rad fast immer den Vorzug.

Ich bin verheiratet und habe drei Kinder, die hier zur Schule und zum Kindergarten gehen. Ich bin selbständig und habe ein kleines Unternehmen, das Webseiten wie diese hier baut.