Grundlagen Radinfrastruktur

Die goldenen Regeln für Radwege

15.11.2020 · von Oliver de Neidels

Wie sieht ein guter Radweg aus? Reicht es, ein Schild aufzustellen? Was gilt es zu beachten und was sollte bei der Planung unbedingt vermieden werden?

Vater und Sohn fahren im Park

Wer für die schwächsten plant, der plant für alle

Die Zielgruppe für Radwegplanung muss immer die schwächste Gruppe sein. Wenn der Radweg für 10-jährige SchülerInnen oder 80-jährige SeniorInnen gut nutzbar ist, dann können auch alle anderen ihn benutzen. Starke und selbstbewusste Radfahrende können sich auf der Fahrbahn behaupten und brauchen keine besondere Infrastruktur. Die meisten anderen Radfahrenden fühlen sich dort aber sehr unsicher und nutzen im Zweifelsfall das Rad gar nicht.

Zwei Menschen fahren Rad auf der Fahrbahn

Mischverkehr nur bis Tempo 30

Kraftfahrzeuge fahren innerorts 50-60 km/h, Fahrräder etwa 20 km/h. Wegen des hohen Tempounterschieds ist gemeinsamer Verkehr auf der Fahrbahn deshalb nur bis Tempo 30 sinnvoll. Bei höheren Geschwindigkeiten ist der Unterschied zu groß: Radfahrende werden zunehmend gefährdet und Autofahrende fühlen sich behindert. Insbesondere für SchülerInnen und SeniorInnen gibt es keine Alternative zum eigenen Radweg.

Hier ist auch auf eine Trennung zum Fußverkehr zu achten, sonst verlagern sich die Konflikte nur.

Frau fährt auf schmalem Schutzstreifen

Wege müssen breit genug sein

Fahrradwege müssen breit genug sein um zwei Radfahrenden das Nebeneinanderfahren oder Überholen zu ermöglichen ohne auf die Fahrbahn oder den Gehweg ausweichen zu müssen. Die gängigen Regelwerke sprechen hier von mindestens 2 m oder sogar 2,30 m Breite.

Neben normalen Fahrrädern sind auch immer mehr Lastenräder, Räder mit Anhängern oder Dreiräder unterwegs, die breitere Wege benötigen. Für diese Fahrzeuge sind auch falsch gebaute Umlaufgitter ("Drängelgitter") nicht überwindbare Engstellen.

Senior mit Rad auf Kopfsteinpflaster

Glatte Oberflächen müssen sein

Um sich komfortabel und sicher auf dem Rad fortbewegen zu können, müssen die Radwege glatt asphaltiert oder mit ungefasten Steinen ausgestattet sein. Schlaglöcher oder Wurzelaufwölbungen müssen zeitnah repariert werden. Je glatter die Oberfläche ist, desto komfortabler lässt sich der Weg nutzen.

Radwege in Rotterdam

Sicherere Kreuzungen verhindern Unfälle

Kreuzungen und Einmündungen müssen sicher gestaltet sein, denn hier passieren die meisten Unfälle. Abbiegegeschwindigkeiten von Kraftfahrzeugen müssen reduziert werden (z.B. durch engere Kurvenradien und Aufpflasterungen bei Einmündungen), die Sichtbarkeit von Radfahrenden muss erhöht werden (z.B. durch Verschwenken der Radwege, Schutzinseln, Markierungen auf der Fahrbahn und Freihalten von Sichtachsen). Gute Beispiele sind sog. Niederländische Schutzkreuzungen. 

Menschen fahren mit dem Rad über eine breite Brücke

Nur direkte, durchgängige und einheitliche Wege sind gute Wege

Radwege müssen durchgängig ohne Lücken, Straßenseitenwechsel oder gar einem Zwischenstopp zur Orientierung nutzbar sein. Umwege sollten vermieden werden, Hindernisse wie Poller, Laternen oder Schilder haben auf Radwegen nichts zu suchen. Um Bushaltestellen, Glascontainer, parkende Autos bzw. deren sich öffnende Türen und Eingangsbereiche von Geschäften müssen Wege einen großen Bogen machen. Vom Gehweg sollte der Radweg auch baulich getrennt sein, z.B. durch einen Bordstein.

Auch in der Ausführung sollen Wege stadtweit einheitlich gestaltet sein: Gleiche Gestaltung an Kreuzungen und Einmündungen, gleiche Oberflächen, Farbgebung und Beschilderung.

Ziel der Radwegplanung muss ein zusammenhängendes Radwegnetz sein.

Fahrrad auf Kopfsteinpflaster

Gehwege mit “Radfahrer frei” sind keine Radwege

Ein Gehweg ist ein Gehweg und für den Fußverkehr vorgesehen. Die Beschilderung mit dem Zusatzschild “Radverkehr frei” macht aus dem Weg keinen Radweg und sollte immer die letzte Wahl sein und dann auch nur übergangsweise bis zur Umsetzung einer besseren Lösung. Diese Wege sind einer der größten Konfliktquellen zwischen den beiden Verkehrsarten. Mehr dazu.


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Über den Autor

Mein Name ist Oliver de Neidels, ich bin 1979 geboren und wohne seitdem in Jever. Ich fahre gerne Fahrrad und versuche in meinem Alltag so weit es geht auf mein Auto zu verzichten. Das geht in unserer ländlichen Region natürlich nicht immer. Fußballplätze auf Dörfern sind sonntags morgens um 9 Uhr nicht mit dem ÖPNV zu erreichen. Aber innerhalb der Stadt bekommt das Rad fast immer den Vorzug.

Ich bin verheiratet und habe drei Kinder, die hier zur Schule und zum Kindergarten gehen. Ich bin selbständig und habe ein kleines Unternehmen, das Webseiten wie diese hier baut.